Berlin darf nicht länger Hauptstadt der AnalphabetInnen sein
Özcan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher, sagt zum Weltbildungstag am 8. September :
JedeR 15. BerlinerIn kann nicht lesen oder schreiben. Nahezu jedeR zweite DrittklässlerIn in der Hauptstadt ist laut der jüngsten Grundschuluntersuchung VERA-3 nicht in der Lage, einfache Texte zu lesen und zu verstehen. Zu viele Jugendliche, insbesondere mit Migrationshintergrund, verlassen die Schule ohne die nötige Lese- und Schreibkompetenz. Sie gehören zur Risikogruppe der AnalphabetInnen. Vorbeugende Maßnahmen zur Vermeidung von Analphabetismus in der Kita und in der Schule sind in Berlin kaum vorhanden. Für rund 164 000 Betroffene stehen jährlich lediglich 1500 Lernplätze bereit.
Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus fordert Rot-Rot auf, das Tabuthema Analphabetismus endlich ernst zu nehmen. ErzieherInnen und Lehrkräfte müssen mit gezielter Fort- und Weiterbildung methodisch und didaktisch auf diese Aufgabe vorbereitet werden. Gleichzeitig muss die Ausbildung der ErzieherInnen und der LehrerInnen auf den Prüfstand. Ein weiterer und wichtiger Bestandteil der Prävention ist die Familienalphabetisierung. Für viele Menschen beginnt der Weg zum funktionalen Analphabetismus mit Bildungsarmut und mangelnder Schriftsprachkompetenz der Elternhäuser.
Die nachholende Alphabetisierung muss in Berlin verbessert werden. Dafür muss der Senat eine Arbeitsgruppe zusammen mit den ExpertInnen der Alphabetisierungsarbeit einrichten. Sie müssen die empirischen Befunde für Berlin aktualisieren und Strukturen zur Alphabetisierungsarbeit aufbauen. Lese- und Schreibkompetenz sind die zentralen Voraussetzungen für Bildung und gesellschaftliche Teilhabe. Der Senat muss hier endlich handeln!
(c) Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus - Berlin




