Berliner Senat kümmert sich nicht um gesundes Schulessen
Der Senat versäumt es, sich um gute, gesunde und schmackhafte Schulverpflegung in Berlin zu kümmern. Er hat die Chancen der Schulreform mit dem starken Ausbau von Ganztagsschulen und die Mittel aus dem Konjunkturpaket II nicht genuztzt, um endlich die strukturellen Voraussetzungen für Frischeküchen zu schaffen.
Dumpingpreise und mangelnde Qualität dominieren das Schulessen. Die Chance, mehr Bio-Essen einzuführen, wird nur von engagierten Schulkonferenzen in einzelnen Bezirken umgesetzt, in denen nicht nur der Preis als Kriterium herangezogen wird, sondern klare Qualitätsvorgaben. In Berlin fehlt aber allein der politische Wille, auch nur die längst beschlossenen Bioanteile aus der Agenda 21 umzusetzen.
Die Qualitätskriterien für das Schulessen werden oft nicht eingehalten, weil die Kontrollen fehlen. Auch das niedrige Preisniveau führt dazu, diese zu unterlaufen. Bei einem geforderten Essenspreis von 1,89 Euro pro Mittagessen können Anbieter höherer Qualität sich an den Ausschreibungen gar nicht erst beteiligen. In den meisten Ganztagsschulen sind – ebenfalls aus Kostengründen – nur Aufwärmküchen eingebaut worden, in denen angeliefertes Essen ausgegeben wird.
Die Durchsetzung höherer Qualitätsstandards scheitert auch an der unklaren Zuständigkeit. Schulen und Eltern beklagen zu geringe Mitspracherechte, während Bezirke und Berliner Immobilienverwaltung über die Köpfe der Betroffenen hinweg oft rein nach Kostenkriterien ausschreiben und entscheiden. Dadurch werden Preis- und Qualitätsniveau beständig nach unten gedrückt. In weiterführenden Ganztagsschulen wird das Angebot, am Schulessen teilzunehmen, aus diesen Gründen nur noch von etwa sieben Prozent der SchülerInnen genutzt. Das bestätigte eine aktuellen Erhebung durch die Verwaltungim Bauausschuss des Abgeordnetenhauses. Die SchülerInnen nutzen stattdessen häufig Fast-Food-Angebote mit der Folge zunehmender ernährungsbedingter Krankheiten.
Wir fordern den Senat auf, sich für eine qualitativ bessere Schulverpflegung einzusetzen und einen höheren Anteil an Bio- und Frischkost verbindlich zu machen. Schulreform und Bildungspaket der Bundesregierung sollten in Berlin für einen Neuanfang genutzt werden. Die Gesundheit der Kinder kann nicht an wenigen Cent scheitern!
(c) Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus - Berlin




