Rede im Abgeordnetenhaus zum Thema Lehrerbedarf -und einstellung
Herr Präsident, meine Damen und Herren!
Es vergeht kaum ein Tag, an dem wir keine Beschwerdebriefe von Eltern oder Schulen bekommen. Der Tenor ist immer derselbe: Wir brauchen zusätzliche Lehrerinnen und Lehrer oder bitte zieht unsere Klassenlehrerin, unseren Mathelehrer - die Liste könnte ich problemlos ausweiten - bitte zieht unseren Klassenlehrer nicht ab. Das sind keine Hirngespinste von übereifrigen Elternvertretern oder die Einbildung von Schülerinnen und Schülern, sondern das ist die Realität an unseren Schulen.
Das ist die Realität seit Jahren! Das darf und das kann so nicht weiter gehen! Deshalb fordern wir seit Monaten die Schaffung von 400 neuen dauerhaften, also unbefristeten Lehrerstellen. Wohlwissend, dass die 400 allein nicht reichen werden!
Vor einigen Wochen hat der Senat endlich die Rufe der Eltern und Schulen erhört und tatsächlich beschlossen neue Lehrerinnen und Lehrer einzustellen. Der Haken an der Sache ist, die Stellen sind bis zum Ende des Schuljahres befristet. Ob das, in Anbetracht der Bildungsmisere und der Qualitätsdefizite in der Stadt, der richtige Schritt ist, wage ich zu bezweifeln.
Wir brauchen keine halben Schritte Herr Zöllner - davon hatten wir bisher genug! Wir fordern Sie und Ihren Kollegen Sarazzin auf, die Personalausstattung der Schulen, insbesondere der Grundschulen, durch eine langfristige Planung zu verbessern und Planungssicherheit für Schulen und LehrerInnen zu schaffen! Der Nachtragshaushalt ist Ihre Chance, nutzen sie es für eine Bildungs- und Qualitätsoffensive! Die Schulen, die Eltern und die Schülerinnen und Schüler werden es Ihnen danken!
Meine Damen und Herren, sie haben es gehört, der Senator für Bildung hat beschlossen 300 neue Lehrerinnen und Lehrer bis zum Schuljahresende einzustellen. Mit welchem Erfolg, das konnten wir heute hören und in der Tagespresse lesen. Es ging nämlich soweit, dass sogar pensionierte Lehrerinnen und Lehrer zur Einstellung angeschrieben worden sind. Das ist aber nicht alles. Herr Präsident ich möchte einige Zuschriften, die ich von Schulen bekommen habe zitieren: Sehr geehrter Herr Mustermann, - ich möchte keinem Schulleiter Probleme bereiten, daher dieser Name:
Zitate!
Was ist eine Bewerberliste wert, wenn sie überholt ist und nicht regelmäßig gepflegt wird? Wie kommt es, dass zum Stichtag 24.01.2007 insgesamt 2271 Lehrerinnen und Lehrer auf der zentralen BewerberInnenliste erfasst sind, und es bisher dennoch nicht gelungen ist 300 Lehrerstellen zur Bekämpfung des Unterrichtsausfalls einzustellen?
Meine Damen und Herren, Wir bilden die Lehrerinnen und Lehrer aus - Im übrigen reichen die Lehrerinnen und Lehrer, die in Berlin ausgebildet werden, nicht aus, um den Lehrerbedarf der Berliner Schulen zu decken. Laut der Lehrerbedarfsprognose des Senats müssen jährlich 1000 bis 1200 Lehrerinnen und Lehrer neu eingestellt werden. Bei einem Altersdurchschnitt von 55 wundert es nicht. Übrigens ist der Schülerrückgang bei der Lehrerbedarfsprognose sehr wohl berücksichtigt! Wir bilden mit den Steuergeldern der Berlinerinnen und Berliner aus und die anderen Bundesländer stellen sie ein? Damit muss Schluss sein! Damit muss Schluss sein, weil ein Unterrichtsausfall von etwa 11% nicht mehr geduldet werden kann, weil eine unzureichende Personalausstattung an den Schulen zu erheblichen Qualitätseinbussen führt, weil dadurch Schulentwicklung und Schulprogrammarbeit vor Ort unmöglich wird!
Ich wiederhole: Berlin kann sich dieses generationenübergreifende politische Versagen in der Bildungspolitik nicht länger leisten.
Meine Damen und Herren, dieser Senat hat nach wie vor keine Konzepte wie es der Bildungsmisere Herr werden möchte. Ein Beispiel: Personalmittelbudgettierung: Nach den gültigen Organisationsrichtlinien stehen den Schulen derzeit 105% Personalausstattung zu. Die 990 Dauerkranken Lehrkräfte sind darin enthalten. Gemäß Schreiben des Bildungssenators vom 9. Feb. sollen die Schulen eine Grundausstattung von 100% bekommen + eine Vertretungsreserve von 3% zur eigenverantwortlichen Bewirtschaftung. Bis zum 9. März, also innerhalb eines Monats müssen sich die Schulen ausschließlich per Email melden und Ihre Teilnahme erklären. Ob alle Schulen überhaupt einen Emailanschluss haben, möchte ich nicht thematisieren. Ich frage aber, wo sind die 2% geblieben? Wie sollen die Schulen bei 990 Dauerkranken und einem Unterrichtsausfall von 11% bzw. einem Vertretungsanteil von 8,5%, mit einer 3% Vertretungsreserve auskommen? Mit welchen Lehrerinnen und Lehrern sollen die Schulen ihre 3% Vertretungsreserve besetzen, wenn es nicht mal der Senatsverwaltung gelungen ist, die 300 befristeten Lehrerstellen - trotz großem Medienaufgebot - zu besetzen?
Das ist eine Mogelpackung meine Damen und Herren! Mogelpackungen von Rot-Rot gab´s genug - Das ist der Grund, weshalb die Schulen misstrauisch sind. Das Misstrauen ist gerechtfertig und das sollte Ihnen zu denken geben! Es ist unsere Pflicht als Parlament die Probleme ernst zu nehmen und endlich die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Es ist unsere Pflicht die Personalausstattung der Schulen, insbesondere der Grundschulen, durch eine langfristige Planung zu verbessern und Planungssicherheit für Schulen und LehrerInnen zu schaffen! Deshalb haben wir diesen Antrag gestellt und deshalb fordern wir mit unserem heute eingereichten Antrag "Bessere Bildung: Unterrichtsversorgung sichern - 400 Lehrer dauerhaft einstellen" die dauerhafte Einstellung von 400 neuen Lehrkräften
Meine Damen und Herren, Handeln Sie jetzt, es ist genug geredet worden!




