Trotz "PISA-Schock": Von Bildungsreform keine Spur
Özcan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher, und Lisa Paus, hochschulpolitische Sprecherin, erklären:
Das Bildungssystem in Deutschland ist unflexibel und finanziell unzureichend ausgestattet. Das ist das Ergebnis der jüngst vorgestellten OECD-Bildungsstudie. Noch immer hängt der Bildungsgrad zu stark von der sozialen Stellung ab. Unser Schulwesen wird weder dem demokratischen Anspruch auf Chancengleichheit noch den Bedürfnissen des Ausbildungs- und Arbeitsmarktes gerecht.
Die Erkenntnisse der PISA-Studie werden in Deutschland viel zu schleppend umgesetzt. Grundlegende Bildungsreformen sind nicht in Sicht. Der Anteil öffentlicher Bildungsausgaben an den öffentlichen Gesamtausgaben der Bundesrepublik liegt nach der OECD-Studie seit 1995 unverändert bei 9,7 Prozent. Der Durchschnitt innerhalb der OECD ist dagegen von 1995 bis 2001 von 9,7 Prozent auf 12,7 Prozent gestiegen.
Ein Kernproblem unserer Schulen liegt in dem überkommenen Unterrichtsverständnis: Möglichst homogene Schülergruppen sollen in der gleichen Zeit das Gleiche lernen. Damit werden weder Leistungsstarke noch Leistungsschwache gefördert.
Die Aus- und Fortbildung von Lehrkräften und ErzieherInnen hat eine Schlüsselrolle bei der Reform des Bildungswesens: In der Lehrerbildung muss der Schwerpunkt auf dem Bildungsauftrag der Schule liegen und nicht auf der Fachwissenschaft. Die LehrerInnen brauchen mehr pädagogische und didaktische Fähigkeiten! Wir brauchen eine Kultur von Evaluation, Qualitätssicherung und -management.
Alte Zöpfe aus der Kaiserzeit, wie das Sitzenbleiben, müssen hinterfragt werden. Das gilt auch für unser dreigliedriges Schulsystem, das den Umgang mit Heterogenität und Vielfalt zu einer Farce macht. Die Kultusministerkonferenz ist mehr gefordert den je, sie muss Abstand nehmen vom unsäglichem Parteiengezänk und zum Motor der Bildungsreformen werden.




