WillkommenHosgeldinizWelcomeBienvenue LinksNewsletter-AboMeine TermineSitemapSucheRSS-Feed einbindenImpressum
Presse
Themen
Dokumente
Persönliches
English
Türkçe
Kontakt
Startseite

Ausbildungsplätze 1997/8 - Wie geht es weiter?

15.01.1998: aus: Kreuzberger Stachel 125, Januar 1998

Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt nimmt dramatische Züge an. Gleichzeitig verzeichnen die Arbeitsämter eine Steigerung der Arbeitslosenquote be Personen in der Altersgruppe bis 20 Jahren, besonders betroffen sind Jugendliche nichtdeutscher Herkunft.

Den Angaben des DBG zufolge werden im Ausbildungsjahr 1997/8 ca. 3500 Ausbildungsplatzsuchende Jugendliche in Berlin nicht versorgt werden können. Für Brandenburg wird der Mangel sogar mit 8500 beziffert. Diese hohen Zahlen resultieren im wesentlichem aus den geburtenstarken Jahrgängen sowie den "Nachzüglern" aus 1996. Weitere Faktoren sind der Strukturwandel der Berliner Wirtschaft und die nahezu volle Streichung des §40 c2 AFG (Förderung benachteligter Jugendliche z.B. Jugendlicher nichtdeutscher Herkunft). Daher fordert der DBG ein Bund-Länder-Programm zur Schaffung von zusätzlichen Ausbildungsplätzen. Ob es derartige Maßnahmen oder Programme überhaupt geben wird und diese greifen, ist bei der prekären Haushaltslage Berlins höchst fraglich. Zumal jedes Jahr ähnliche Programme durchgeführt werden und diese außer temp. Entlastungen, keine Dauerlösung für die eigentliche Misere bieten. Längst ist hier ein grundlegende Kurswechsel von Nöten. Insbesondere muß die Diskussion um die Ausbildungsplatzabgabe durch eine bundesweite Umsetzung zum Abschluß gebracht werden. Nur so können langfristige Maßnahmen ergriffen und finanziert werden. Anhand der Ausbildungsplatzabgabe würden z.B. die öffentliche Haushalte entlastet; auHauHanicht ausbildende Betriebe am Abbau des Ausbildungsplatzmangels beteiligt und über entsprechende Ausbildungszentren langfristig zahlreiche Ausbildungsplätze geschaffen werden. Ferner ist eine Reform der Ausbildungsordnung unabdingbar, zahlreiche Betriebe - insbesondere Türkische - können aufgrund der strikten Ausbildungsordnungen keine Ausbildungsplätze anbieten. Durch eine Reform könnten viele trotz Rezession ihren Beitrag hierzu leisten.

Betrachten wir den Bezirk Kreuzberg; Der Bezirk hat die höchste Arbeitslosenquote (28,7%), ähnliche Verhältnisse sind auf dem Ausbildungs- bzw. Bildungsbereich vorzufinden. Kreuzberg hat die meisten Hauptschulen der Stadt (6 statt durchschnittlich 3). Derzeit besuchen 1570 Jugendliche im Bezirk die Hauptschule, dabei beträgt die Zahl der nichtdeutschen HauptschülerInnen 910 (ca. 58%). Als Folge verlassen zahlreiche Kreuzberger Jugendliche die Oberschule nur mit einem Hauptschulabschluß und haben bei der seit Jahren schon andauernden und angespannten Ausbildungsplatzlage erhebliche Schwierigkeiten überhaupt ein Ausbildungsplatz zu finden. Sie sind sozusagen dreifach gebrandmarkt; zu einem sind Kreuzberger, dann Hauptschüler und schließlich, zum großen Teil nichtdeutscher Herkunft. Zur gleichen Zeit ist die Rede von einer landesweiten Schulabbrecherquote von etwa 30% unter nichtdeutschen Jugendlichen, wovon ein großer Teil aus Kreuzberg stammt. D.h. neben den vielfach unzureichenden Schulabschlüssen verlassen eine Vielzahl der Jugendlichen im Bezirk wie in der gesamten Stadt die Oberschule ohne einen Schulabschluß. Im Schuljahr 1995/6 betrug die Zahl dieser Schulabgänger in Berlin 1280, in Kreuzberg waren es ganze 302. Damit sind Kreuzberger Jugendliche unabhängig der Herkunft gleichermaßen betroffen und der Konkurrenz meistens unterlegen.

Die politisch Verantwortlichen im Senat und in den Bezirken sind im besonderem Maße gefordert sich der Problematik stärker als bisher anzunehmen. Arbeitslosigkeit und die damit zusammenhängende Perspektivlosigkeit unter Jugendlichen, unabhängig der Herkunft sind Zustände die nicht länger ignoriert werden dürfen. Für nichtdeutsche Jugendliche kommt noch hinzu, daß sie die Erfolgslosigkeit auch als eine Art Ausgrenzung empfinden und damit empfänglicher für "heimatbezogene Tendenzen" u.ä. sind. Das ist u.a. auch ein Grund weshalb in letzter Zeit Moschee-Vereine u.ä. Organisationen einen starken Zulauf von Angehörigen der 2. und 3. Generation der ImmigrantInnen erfahren. Diese straff organisierten Vereinigungen haben - wie Diskussionen in Moscheen und Untersuchungen deutlich machen - kein Interesse an einer Integration in die sog. "christliche Gesellschaft", ganz im Gegenteil. "Sie holen die Kinder und Jugendlichen weg von der Straße, sie nehmen sie aber auch der Gesellschaft weg" so Prof. Wilhelm Heitmeyer ein Kenner der Szene in seinem Buch "Religiöser Fundamentalismus als Herausforderung der modernen Zivilgesellschaft."

Das explosive Gemisch ist fertig. Daher bedarf es dringender Handlungen und Maßnahmen auf diesem Gebiet. Wenn die Jugendlichen für die Gesellschaft gewonnen werden sollen, führt kein Weg an einer soliden Schulbildung und Berufsausbildung vorbei.

Özcan Mutlu-Fraktionsvorstands der Bündnisgrünen in der BVV-Kreuzberg-

Späte Einsicht ist auch gut – KMK stoppt Schultrojaner, wir gratulieren!
07.05.2012 | (Presse) [mehr]
Neue Regelung, viel Kritik: Ganztagsbetreuung für Fünft- und Sechstklässler
10.04.2012 | Tagesspiegel (Presse) [mehr]
Putzplan aus den 90ern
26.03.2012 | Tagesspiegel (Presse) [mehr]


Banner: atom
Banner: klima
Banner: mitglied-werden
Zum SeitenbeginnDruckversion für die SeiteSeite versenden