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Die Europäische Dimension in den Berliner Lehrplänen

04.05.2007: Dr. 16/10633

1. Ist dem Senat die vergleichende Studie "Die Europäische Dimension in den Lehrplänen der deutschen Bundesländer" im Auftrag der Europäischen Kommission - Vertretung Deutschland bekannt?

Zu 1.: Ja.

2. Wenn ja, wie bewertet der Senat diese Studie?

Zu 2.: Die Studie gibt einen Überblick über die Verortung des Themas Europa in den Lehrplänen der Länder der Bundesrepublik Deutschland in den einzelnen Fächern. Ihr Untersuchungsauftrag lag nicht darin, die Unterrichtspraxis in den Blick zu nehmen und erhebt keinen Anspruch auf Repräsentativität. Sie sagt entsprechend kaum etwas aus über die unterrichtspraktische Einbeziehung der europäischen Dimension im konkreten Unterrichtszusammenhang.

3. Welchen Stellenwert hat nach Auffassung des Senats die Thematik Europa und EU im Unterricht?

Zu 3.: Das Thema "Europa" ist seit vielen Jahren ein herausgehobener Bestandteil des Unterrichts an den Berliner Schulen. Die seit dem Schuljahr 2005/06 bzw. 2006/07 neuen gültigen Berliner Rahmenlehrpläne für die Sekundarstufen I und II sehen die Beschäftigung mit dem Thema Europa in vielfältigen Formen und unter verschiedenen Perspektiven vor. Analog zur zunehmenden Bedeutung der Entwicklung der Europäischen Union spiegelt sich dies auch in den verschiedenen Fächern wider, zum Beispiel in der Doppeljahrgangsstufe 9/10:

  • im Fach Geografie im Themenfeld 4 " Deutschland
  • in Europa ",

  • im Fach Sozialkunde im Themenfeld 3 " Europäische Union ",
  • im Fach Geschichte im Rahmen der Beschäftigung
  • mit der deutschen Nachkriegsgeschichte,

  • im Wahlpflichtkurs III - Wirtschaft und Recht im
  • Modul 8 " Wirtschaftspolitik in der Sozialen Marktwirtschaft ".

In der gymnasialen Oberstufe:

  • widmet sich das gesamte 3. Halbjahr im Fach Politikwissenschaft dem Thema Europa,
  • im Fach Geschichte werden im 3. Halbjahr die bereits vorhandenen Kenntnisse im Rahmen der Beschäftigung mit der deutschen Nachkriegsgeschichte vertieft.

Die intensive unterrichtliche Auseinandersetzung mit dem Thema schlägt sich u.a. auch in der großen Fülle von Aufgaben in der Abiturprüfung im Fach Politikwissenschaft bzw. Geschichte nieder, die sich auf das Thema Europa beziehen.

4. Erachtet der Senat es als notwendig und sinnvoll, die Themen Europa und EU fächerübergreifend zu behandeln?

Zu 4.: Ja, dies findet intensiv statt, wie meine Antwort zu Frage 3 belegt.

5. Wie sieht der Senat das Ergebnis der Studie für Berlin von einer Note "ausreichend" für das Unterrichtsfach Deutsch?

6. Wie bewertet der Senat die Tatsache, dass im Fach Deutsch in Berlin, gemäß der gen. Studie keine Vermittlung von spezifischem Fachwissen über Europa und die EU erfolgt?

Zu 5. und 6.: Die Benotung der Studie bezieht sich ausschließlich auf die Verankerung der europäischen Dimension im Lehrplan für das Fach Deutsch. Da die Aufgabe des Faches Deutsch allerdings nicht primär in der Vermittlung "spezifischen Fachwissens" über Europa liegt, relativiert sich die Bedeutung dieser Benotung.

Festzustellen bleibt jedoch, dass es im Fach Deutsch wie in allen anderen sprachlichen Fächern selbstverständlich schon immer Tradition war und ist, sich mit literarischen Zeugnissen anderer europäischer Staaten auseinanderzusetzen, so dass sich in diesem Zusammenhang die Dimension eines europäischen Kulturraumes entwickeln kann.

7. Welche Konsequenzen zieht der Senat aus der Studie, und nimmt der Senat die Studie zum Anlass, die curricularen Rahmenpläne zu verändern?

8. Welche konkreten Änderungen in den Rahmenplä-nen sieht der Senat vor?

Zu 7. und 8.: Es besteht zzt. keine Veranlassung, die erst in diesem Schuljahr in Kraft gesetzten Rahmenlehrpläne zu ändern, zumal die selbe Studie den Rahmenlehrplan für das Fach Politikwissenschaft des Landes Berlin, also den Lehrplan, dessen spezifisches Thema Europa ist, mit der Note "Gut" beurteilt hat. Das Land Berlin ist beim Thema "Europa" in der Schule also insgesamt gut aufgestellt.

9. Sieht der Senat ebenfalls, dass die Bereitschaft der Lehrerinnen und Lehrer, neben den Anstrengungen des Schulalltages an einer fachlichen Fortbildung teilzunehmen, eher gering ist und die Tendenz, das komplexe und oft als unüberschaubar wahrgenommene Thema EU soweit es geht, zu umgehen, groß ist?

10. Wie will der Senat diesen Einstellungen vorbeugen bzw. entgegenwirken?

Zu 9. und 10.: Diese Tendenz kann ich nicht bestätigen. Im Zuge der Stärkung der Eigenverantwortlichkeit der Schulen sollte es allerdings Aufgabe der jeweiligen Schulleitungen sein, dafür Sorge zu tragen, dass sich Lehrkräfte regelmäßig zu diesem Themenbereich fortbilden.

Berlin, den 04. Mai 2007

In Vertretung Eckart R. Schlemm Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung (Eingang beim Abgeordnetenhaus am 22. Mai 2007)

Die Kleine Anfrage kann nachfolgend heruntergeladen werden.

Zugehörige Dateien:
ka16-10633.pdfDownload (116 kb)
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