Arbeitszeiterhöhung für LehrerInnen ist der falsche Weg
29.11.2002: Özcan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher, erklärt:
Rot-Rot hat im Koalitionsvertrag viele blumige Worte für die Bildungspolitik gefunden. Neueinstellung von 4.000 LehrerInnen, 1.040 Stellen pädagogische Verbesserungen, 30 Ganztagsschulen, die flächendeckende Einführung der verlässlichen Halbtagsgrundschule, um einige zu nennen.
Die erneute pauschale Erhöhung der Lehrerarbeitszeit widerspricht diesen Zielen. Wir fordern den Senat auf, endlich Arbeitsmodelle einzuführen, die mehr Arbeitzeitgerechtigkeit herstellen. Eine pauschale Arbeitszeiterhöhung führt einerseits zu einer völligen Überlastung der vorhandenen - eher überalterten - Lehrkräfte, anderseits vernichtet es Einstellungschancen für jüngere Lehrkräfte. Das Ergebnis, ein dramatischer Qualitätsverlust für die Berliner Schule. Ob diese Maßnahme, nach den katastrophalen Resultaten von PISA und der Berliner Sprachstanderhebung Bärenstark, der Weisheit letzter Schuß ist, kann ernsthaft bezweifelt werden. Letztendlich sind wieder Kinder und Jugendliche leidtragende einer falschen Politik und einer falschen Prioritätensetzung!
Unterrichtsausfall, überalterte Kollegien, Kürzung von über 6.000 Lehrerstellen seit 1996, Kürzungen von Fördermittel für sozial schwache Bezirke und schlechter baulicher Zustand und mangelnde Ausstattung der Schulen: Das sind Probleme, die an Berliner Schulen seit Jahren zum Alltag gehören. Hinzu kommen mehrere Tausende Pensionierungen in den kommenden Jahren, die Neueinstellungen notwendig machen. Die gezielte Förderung von Schulen in sogenannten Problemquartieren, Ausbau von Ganztagsangeboten und die Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Schule und Jugendhilfe, eine Bildungsoffensive für Kinder nichtdeutscher Herkunftssprache, Reduzierung von Klassenfrequenzen, Sicherung der gemeinsamen Erziehung (Integration), das sind Themen die verstärkter finanzieller Förderung und Sicherung bedürfen. Alles andere ist kontraproduktiv und abzulehnen!




