Bildung hat Priorität!
27.02.2002: Große Anfrage - Bildung hat Priorität! Wahlversprechen einhalten - Bildung und Erziehung in Kitas und Schulen verbessern! (Dr.15/222)
Wir fragen den Senat:
I. In frühe Bildung - Kitas und Grundschulen - investieren
1. Ist es eine richtige und zukunftsweisende Bildungspolitik, wenn der Senat mehr Qualität in Bildung und Erziehung verspricht und dann pädagogische Verbesserungen in der Schule zulasten der Erziehung und Bildung im Kita- und Jugendbereich durchführt?
2. Sieht es auch der Senat als bildungspolitisches Ziel an, die Kapazitäten für die vorschulische Bildung und Förderung im Kitabereich zu konzentrieren; wie will er das erreichen, wenn er die Doppelstruktur Vorklasse in der Schule und Vorschulgruppe in der Kita aufrechterhält und am Ziel vorzeitiger Einschulungen festhält?
3. Sieht der Senat in den Aufgaben der Leitungskräfte (Elternarbeit, Qualitätsentwicklung, Management- und Verwaltungsaufgaben) der Kitas eine so überflüssige Arbeit, dass er beabsichtigt, die Freistellung für die Leitungsaufgaben um 40 % zu verringern?
4. Wie will der Senat mit der geplanten Verschlechterung der Personalsituation (Erhöhung des Hortschlüssels, Absenkung der Leitungsfreistellung, Anrechnung der Erzieherpraktikant/- innen) die angekündigte Qualitätssteigerung der Bildungsarbeit in den Kitas und die wirksame Förderung bildungsbenachteiligter Kinder, insbesondere auch der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, erreichen?
5. Wie vereinbart der Senat die pädagogischen Verschlechterungen im Hortbereich mit seiner erklärten Absicht, die schulischen und außerschulischen Ganztagsangebote mit dem Ziel erweiterter Bildungs-, Lern- und Fördermöglichkeiten auszubauen?
6. Teilt der Senat unsere Ansicht, dass der Ausbau von Ganztagsangeboten für Grundschüler/-innen - auch unter finanziellem Gesichtspunkt - nur in enger Zusammenarbeit zwischen Schule und den Kindertageseinrichtungen der Jugendhilfe zu realisieren ist; wie gedenkt er diese Zusammenarbeit zu gestalten?
7. Wie will der Senat alle für die Erziehung und Bildung der Kinder Verantwortlichen - (Eltern, Erzieher/-innen, Lehrer/- innen) an der Entwicklung und Sicherung der Qualität von Bildung und Erziehung beteiligen, wenn er sie durch Brechen von Wahlversprechen und Verschlechterung der Rahmenbedingungen vor den Kopf stößt?
II. Förderung sozial benachteiligter Kinder, insbesondere mit Migrationshintergrund
8. Welche Schlüsse zieht der Senat aus dem PISA-Ergebnis, dass in keinem anderen Land ein so enger Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft der Schüler/-innen und ihrem Schulerfolg besteht wie in Deutschland; welche konkreten pädagogischen und konzeptionellen Maßnahmen wird der Senat ergreifen, um den fehlenden Bildungschancen von sozial benachteiligten Kindern, insbesondere mit Migrationshintergrund entgegenzuwirken und um mehr Chancen-gleichheit im Berliner Bildungssystem herzustellen?
9. Wie beurteilt der Senat das desolate Abschneiden deutscher Schüler/-innen bei der PISA-Studie in Bezug auf die Lesekompetenz- der unverzichtbaren Grundlage für alles Lernen -; welche Konzepte zum Abbau der Schwächen in der Lese- und Sprachkompetenz verfolgt der Senat und welche Fördermaßnahmen wird er kurz- und langfristig in welcher Form realisieren?
10. Welche Maßnahmen zur Intensivierung der Elternarbeit bzw. Einbindung der Eltern aus Migrantenfamilien will der Senat in welcher Form umsetzen und wie kann der Senat in Zusammenarbeit mit Migrant/-innenorganisationen erreichen, ein verstärktes Interesse an der frühkindlichen Bildung zu wecken?
11. Wie will der Senat es erreichen, die Elternhäuser für Sprach-förderkonzepte zu gewinnen, welche finanziellen Ressour-cen will der Senat für die bewährten und erfolgreichen "Mütterkurse" an Berliner Schulen und Kitas zur Verfügung stellen und wie und in welcher Form gedenkt er diese Kurse weiter auszubauen?
III. Rolle des Erziehungs- und Lehrpersonals
12. Wie will der Senat die für die qualitative Weiterentwicklung der Berliner Schule zu einem Ort des Lernens und Lebens notwendigen neuen Arbeitszeitmodelle und Veränderungen der Rolle von Lehrerinnen und Lehrern erreichen; welche diesbezüglichen Konzepte und Ziele für mehr Arbeitszeitgerechtigkeit verfolgt der Senat und wie will der Senat die Lehrer/- innen für diese Veränderung gewinnen, wenn er ihnen nach der Erhöhung der Pflichtstundenzahl vor zwei Jahren jetzt eine erneute Erhöhung androht?
13. Wie schätzt der Senat angesichts der absehbaren Pensionierungswelle den Bedarf an Nachwuchslehrkräften ein und wie will der Senat mittels eines ausreichenden Einstellungskorridors die notwendige Anzahl von etwa 4 000 Neueinstellungen junger Lehrerinnen und Lehrern - wie in der Koalitionsvereinbarung festgelegt - in den kommenden vier Jahren gewährleisten?
14. Welche Maßnahmen und Konzepte zur Verbesserung der interkulturellen Kompetenz von Kindertagesstätten und Schulen verfolgt der Senat, welche Maßnahmen zum Ausbau der Fort- und Weiterbildung sind in diesem Bereich geplant und wie will der Senat die Ausbildung und Einstellung von Erziehungs- und Lehrpersonal mit eigenem Migrationshintergrund fördern?
Berlin, den 27. Februar 2002
Dr. Klotz Wieland Jantzen Mutlu und die übrigen Mitglieder der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
Die komplette Große-Anfrage, incl. Begründung können Sie nachfolgend herunterladen.




