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Schülerdatei gegen Lehrermangel

04.09.2007: Berliner Morgenpost

Bildungssenator Jürgen Zöllner will Kinder zentral registrieren, um Pädagogen besser verteilen zu können Von Florentine Anders

Um künftig das Schuljahr besser vorbereiten zu können, will Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) die Schüler in einer zentralen Datei erfassen. Der Senator steht unter Duck, denn auch in der zweiten Schulwoche sind entgegen seines Versprechens noch lange nicht alle benötigten Lehrer an Bord.

Der Unterricht an der Grunewald-Grundschule in Wilmersdorf begann gestern mit einer Demonstration von Schülern und Eltern. Drei Lehrer fehlen hier, obwohl der Bedarf lange vor den Ferien feststand. Gestern kamen die Schulanfänger zum ersten Mal in die Klassen. Doch Teilungs- und Förderunterricht muss ausfallen. In einer vierten Klasse fehlt ein Mathelehrer, in der dritten und fünften der Klassenlehrer. Grund: Zwei Lehrer wurden pensioniert ein weiterer ist dauerkrank gemeldet. Zwei Kollegen sind zudem kurzfristig erkrankt.

Doch die Kinder müssen auf Ersatz warten - jetzt wird erst einmal gezählt, und erst dann wird mühsam das Lehrerkarussell in Gang gesetzt. Nach Angaben der Bildungsverwaltung sollen 4000 Schüler zu viel von den Schulen angegeben worden sein. Das entspricht etwa 200 Lehrern, die nun von den überbesetzten Einrichtungen zu den Mangelschulen wandern sollen. Erst wenn diese Kapazitäten voll ausgeschöpft sind, soll über Neueinstellungen beraten werden.

Mit einem zentralen Schülerregister könnte man sich diese Zeremonie weitestgehend sparen, meint Zöllner. Kinder, die neben der Einzugsschule an mehreren Wunscheinrichtungen auf der Warteliste stehen, würden dann nicht mehr doppelt gezählt. Auch die Kinder der Privatschulen müssten mit erfasst sein.

Bedenken vom Datenschutz Schulstadtrat Wolfgang Schimmang (SPD) findet die Datei sinnvoll. Die Planung der Klassen würde eine solche Datei erleichtern. Außerdem könnte sich die Polizei direkt an die Schulen wenden, wenn sie Kinder und Jugendliche während der Unterrichtszeit beim Ladendiebstahl beispielsweise aufgreifen. Auch Fritz Felgentreu, rechtspolitischer Sprecher der SPD, kann sich eine solche Zusammenarbeit zwischen Jugendhilfe, Schule und Polizei auf Grundlage eines Schülerregisters vorstellen. Häufig wüssten die Polizisten nicht, welches Jugendamt zuständig sei, wenn sie jugendliche Straftäter aufgreifen, beklagt Felgentreu. Das alles müsse natürlich genau mit dem Datenschutz geklärt werden.

Datenschutzbeauftragter Alexander Dix ist gegen die Idee eines Zentralregisters mit Namen und Geburtsdaten der Schüler: "Ich sehe nicht die Notwendigkeit, persönliche Daten zu speichern, um besser planen zu können." Die Schüler könnten auch mit verschlüsselten Nummern gezählt werden. Und schon gar nicht solle eine solche Datei zur Strafverfolgung genutzt werden.

Eine Antwort auf den Unterrichtsausfall könne eine solche Datei nicht sein, betont Özcan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher der Grünen. Die Lehrer könnten krank werden, da nütze eine Aufstellung der Schüler wenig. Wichtiger sei es, die Schulen mit einer ausreichenden Vertretungsreserve zu versorgen. Drei Prozent seien nicht genug, so Mutlu. Die Datei könnte lediglich die statistische Arbeit erleichtern. Auch Mieke Senftleben, Bildungsexpertin der FDP, hält die Schülerdatei für überflüssig. Das Anmeldeverfahren sei schon seit Mai abgeschlossen. Zöllner hätte die Abfrage viel früher starten können.

Die Eltern der Grunewald-Grundschule wollen keine Springerlehrer von anderen Schulen. "Wir brauchen eine dauerhafte Neueinstellung", sagt Elternvertreterin Maria Feldmann.

Aus der Berliner Morgenpost vom 4. September 2007

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