LehrerInnenmangel: Wir brauchen unsere AbsolventInnen!
Özcan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher, erklärt:
Ohne mehr Lehrpersonal wird die Bildungsreform nicht gelingen. Für die nächsten zehn Jahre hat die Schulsenatsverwaltung in ihrer Lehrerbedarfsplanung einen Bedarf von 1.000 Neueinstellungen pro Jahr festgelegt. Allerdings bildet Berlin dafür nicht genügend LehrerInnen aus, im Gegenteil: Zu viele Absolventen hat man an andere Bundesländer verloren. Schon heute fehlt in Berlin Personal für einige Naturwissenschaften, für Sprachen und Musik. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen fordert mit einem parlamentarischen Antrag ein Sofortprogramm gegen LehrerInnenmangel (Drucksache-Nr. 15/4391).
Trotzdem will der Senat die Referendariatsplätze für angehende LehrerInnen weiter reduzieren. Die Lehramtsstudienplätze sind im Rahmen der Hochschulverträge für die Jahre 2006 bis 2009 auf 850 begrenzt worden. Bleibt die Frage, woher die neuen LehrerInnen kommen sollen? Schon heute konkurriert Berlin mit allen anderen Bundesländern um den Pädagogennachwuchs und hat aufgrund des hohen Haushaltsdefizits schlechtere Karten. So werden LehrerInnen in Berlin im Gegensatz zu anderen Bundesländern nicht mehr verbeamtet, neu angestellte Kräfte müssen zudem auf Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichten. Es mangelt schon seit Jahren an Referendariatsplätzen. Daher verlassen viele der ortsansässigen Absolventen, insbesondere die einen schnellen Einstieg in den Beruf wollen, die Stadt.
Berlin braucht ausreichend Studien- sowie Referendariatsplätze. Außerdem sollen die LehrerInnen, die in andere Berufe abgewandert sind und dort Erfahrungen und Zusatzqualifikationen erworben haben, zurückgeholt werden. Und auf die richtige Mischung kommt es an: Wir wollen, dass zur Förderung von Integration und Zweisprachigkeit mehr ausländische Muttersprachler an den Schulen arbeiten und dass der Erfahrungsschatz älterer LehrerInnen nicht aufgegeben wird. Hier sind attraktive Teilzeitangebote und gesundheitliche Vorsorge (v.a. gegen das "burn-out-Syndrom") gefragt. Außerdem brauchen die Schulen Geld, damit sie befristet Dritte einstellen und von deren Qualifikation profitieren können.




