PISA-E II bestätigt dringenden Handlungsbedarf
06.03.2003: Özcan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher, erklärt:
Die neuste Auswertung der PISA-E Ergebnisse unterstreicht noch einmal deutlich, dass unser Schulsystem in einer Krise steckt. Ein Kernproblem unserer Schulen liegt in dem überkommenen Unterrichtsverständnis, dass möglichst homogene Schülergruppen in der gleichen Zeit das Gleiche lernen. Damit werden weder Leistungsstarke noch Leistungsschwache gefördert. Das Bildungssystem hat aber die Aufgabe, die Entfaltung der Persönlichkeit zu fördern und die Unterschiedlichkeit der Menschen zu einem zentralen Ansatz von Pädagogik und Didaktik zu machen. Notwendig ist ein Umdenken in der Aus- und Fortbildung von Lehrkräften und dem Erzieherpersonal. Überfällig ist eine Debatte um Zensuren - von Objektivität derselbigen kann aufgrund der vorliegenden Untersuchungsergebnisse kaum mehr die Rede sein.
Kinder aus Migrantenfamilien für das schlechte Abschneiden bei PISA verantwortlich zu machen, ist ein weiterer Versuch, die PISA-Ergebnisse parteipolitisch zu instrumentalisieren. Dabei hat PISA-International gezeigt, dass sozial benachteiligte Kinder und Kinder aus Migrantenfamilien in Deutschland am schlechtesten gefördert werden. Unser Schulwesen wird weder dem demokratischen Anspruch auf Chancengleichheit noch den Anforderungen des Ausbildungs- und Arbeitsmarktes gerecht. Die jahrelange Unterfinanzierung der Schulen und die versäumten inhaltlichen Reformen sind der Grund für das schlechte Abschneiden der deutschen SchülerInnen - und nicht deren Herkunft.
Konsequente Förderprogramme zum Abbau von Sprachdefiziten neben der Förderung der Muttersprache, gezielte Maßnahmen zum Erwerb fehlender Schulabschlüsse sowie strukturverbessernde Maßnahmen für Schulen mit hohem Anteil an SchülerInnen nichtdeutscher Herkunft sind unabdingbar. Dabei kommt der vorschulischen Bildung eine große Bedeutung zu. Diese muss sowohl personell als auch finanziell für die zu bewältigenden Aufgaben gerüstet sein. Die Schule in der Einwanderungsgesellschaft muss die Lebens- und Erfahrungswelt der Einwandererkinder in den Lehrplänen und in den Schulbüchern berücksichtigen. Hierzu bedarf es der Reform der Rahmenpläne, der Curricula und last but not least, der Ausbildung der Lehrkräfte und der ErzieherInnen.




