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Sprachunterricht

05.03.2003: "Nur Türkisch reicht nicht" Experten fordern Sprachunterricht in Kitas und neue Förderkonzepte für Schüler nicht deutscher Herkunft

Kinder aus zugewanderten Familien haben an deutschen Schulen deutlich geringere Bildungserfolge. Das hat die OECD-Bildungsstudie Pisa gezeigt. Ist die Integration also gescheitert? Und wenn ja, warum? Einig sind sich die Experten nur in einem: Die Misere hat viele Gründe. Schule allein ist überfordert. "Schule spielt im Integrationsprozess eine wesentliche Rolle, sie kann aber gesellschaftliche Fehlentwicklungen nicht auffangen", betont Thomas John, Sprecher der Senatsschulverwaltung. "Wir müssen unsere Integrationsanstrengungen deshalb verstärken und uns insbesondere darauf konzentrieren, dass die Kinder die deutsche Sprache erlernen." Nur wenn sie Deutsch beherrschten, hätten sie gute Bildungschancen. Dass es mit der Sprachförderung an den Berliner Schulen nicht zum Besten steht, hatte die Verwaltung selbst bei einer Bestandsaufnahme festgestellt. Zu viele Stunden fallen aus, es fehlt an kompetenten Lehrern, und die Schulen richten zu wenig Förderklassen ein. Nun will die Verwaltung ein neues Förderkonzept entwickeln. Für den bildungspolitischen Sprecher der Grünen, Özcan Mutlu, eine längst fällige Einsicht: "Auch nach 40 Jahren Migration hat es Schule noch nicht geschafft, die mit der Zuwanderung verbundenen Probleme anzugehen." Weder in den Rahmenplänen noch in den Schulbüchern spiele interkulturelle Bildung eine Rolle, ebenso wenig wie in der Lehrerausbildung. "Gerade in den Grundschulen brauchen wir auch muttersprachliche Lehrkräfte", fordert Mutlu. "Sie können den Kindern besser die Anlaufschwierigkeiten nehmen." Ausländische Eltern müssten zudem einsehen, dass sie sich um die Bildung ihrer Kinder kümmern müssen und um die Sprache. "Es reicht nicht, wenn man Türkisch kann." Leider gebe es kein Geld, um mehr Sprachkurse für Mütter anzubieten. Es müsse gelingen, Eltern nicht deutscher Herkunft stärker in den Lernprozess ihrer Kinder einzubeziehen, sagt auch die Berliner Ausländerbeauftragte Barbara John. "Selbst wenn sie nicht Deutsch sprechen, können sie ihre Kinder motivieren, Deutsch zu lernen." Problematisch sei in diesem Zusammenhang allerdings, dass in den betreffenden Familien häufig überhaupt kaum gesprochen werde und die Fähigkeiten der Kinder zum Spracherwerb verkümmerten. "Mit dem Erlernen der deutschen Sprache muss deshalb bereits in der Kita angefangen werden. Nur dann haben diese Kinder eine Chance, Rückstände zu kompensieren", sagt John. Kinder, die zu Hause zu wenig gefördert würden, müssten in der Schule mehr und länger lernen können und von entsprechend ausgebildeten Lehrkräften unterrichtet werden, fordert die Ausländerbeauftragte. "Auf diese neuen Herausforderungen hat sich Schule zu spät eingestellt." Das soll mit dem neuen Sprachförder-Konzept anders werden. Doch eines der Kernstücke, der neue Rahmenplan für "Deutsch als Zweitsprache" (DaZ), verspricht vorerst wenig Hoffnung auf Besserung. "Der Plan ist von Bayern übernommen und hält Berliner Anforderungen nicht Stand", kritisiert DaZ-Lehrer Enno Ebbert. Er sei für Schüler konzipiert, die noch kein Deutsch könnten. Die Lehrer brauchten aber Handwerkszeug, wie man vernünftige Satzstrukturen und Schulsprache vermittelt.

Von Christa Beckmann und Regina Köhler

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