Sprachförderung jetzt
16.05.2003: keine weiteren Tests
Özcan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher, und Elfi Jantzen, sozialpolitische Sprecherin, erklären:
Die Ergebnisse der heute vorgestellten Sprachstandserhebung "Bärenstark" bestätigen zum wiederholten Male den hohen Förderbedarf bei Kindern nicht-deutscher Herkunftssprache. 80,2 Prozent der ausländischen Schulanfänger brauchen dringend zusätzliche Unterstützung. Aber auch 28,5 Prozent der deutschen Kinder beherrschen ihre Muttersprache nicht. Deutlich wird auch: Nicht die Herkunftssprache allein, sondern vor allem soziale Faktoren sind ausschlaggebend für ihren Bildungserfolg. Die "Spracharmut" der zu fördernden Kinder entspricht ihrer sozialen Armut.
Die "Sprachfördermaßnahmen" der Schulsenators Böger sind bestenfalls ein erster Schritt. Neben konsequenten Förderprogrammen zum Abbau von Sprachdefiziten und der Förderung der Muttersprache sind strukturverbessernde Maßnahmen für Schulen und Kitas, vor allem in sozial benachteiligten Gebieten, unabdingbar. Dazu gehören u.a. mehr Förderstunden und der Einsatz von muttersprachlichem Personal. Die interkulturelle Erziehung muss aus ihrem Nischendasein heraus und zum Alltag in der Schule und in der Kita werden.
Unser Rat an den Senat: Sparen Sie sich weitere Untersuchungen, fangen Sie an endlich wirklich gegen zu steuern. Eltern, ErzieherInnen und LehrerInnen dü;rfen nicht lä;nger mit ständig neuen Kürzungsansagen und -vorgaben und unausgegorenen Reformvorschlägen verunsichert werden.
Ohne die notwendigen Rahmenbedingungen gibt es keine bessere Bildung und Erziehung. Kitas und Schulen müssen sowohl personell als auch finanziell fü;r die zu bewältigenden Aufgaben gerüstet sein. Und: Die Eltern müssen bei der Erziehung und Bildung ihrer Kinder unterstützt und in die Fördermaßnahmen einbezogen werden.




