Mysteriöse Privatpost an Bezirksparlamentarier
06.03.2003: Beunruhigende Post haben die 55 Mitglieder des Bezirksparlaments Steglitz-Zehlendorf dieser Tage an ihre Privatadressen geschickt bekommen.
"Deutschland schuldet uns seinen Eintritt in den Islam" Mysteriöse Privatpost an Bezirksparlamentarier Beunruhigende Post haben die 55 Mitglieder des Bezirksparlaments Steglitz-Zehlendorf dieser Tage an ihre Privatadressen geschickt bekommen. Der Absender, eine "Islam Friedensvereinigung Berlin Deutschland", begründet in dem einseitigen Schreiben die Überlegenheit des Islam und verkündet, dass Deutschland "uns seinen Eintritt in den Islam" schulde. Zum Schluss heißt es: "Sorgen sie in ihrem Bezirk dafür, dass Islam seine Rechte bekommt. Alle Rechte. Dann haben sie Frieden mit uns. Kampf für Islam ist Frieden. Islam siegt." Unterschrieben ist der Brief nicht, auch die Absenderadresse fehlt.
Bei den Mitgliedern des Bezirksparlaments rief der Text gemischte Reaktionen hervor. Während die einen von ungelenken Formulierungen sprachen, erwägen andere, die Polizei einzuschalten. "Je öfter ich das Schreiben lese, desto ernster nehme ich es", sagte Parlaments-Vorsteher Klaus Eichstädt. Er halte den Inhalt für irritierend bis Besorgnis erregend. Ein möglicher Anlass für das Schreiben falle ihm nicht ein. "Mir sind keine Debatten bei uns bekannt, die einen solchen Brief ausgelöst haben könnten." Dass die Absender die Privatadressen der Parlamentarier kannten, ist allerdings nichts besonderes: Sie sind im Internet zu finden. Die des Bürgermeisters Herbert Weber (CDU) aber nicht - er bekam den Brief direkt ins Büro.
Dem Berliner Verfassungsschutz ist eine "Islam Friedensvereinigung Berlin Deutschland" bislang unbekannt. Zudem hät die Behörde das Schreiben für gefälscht. Sowohl Inhalt als auch Ausdrucksweise ließen den Schluss zu, dass der Absender ein Deutscher sei, der den Islam verunglimpfen wolle.
Dieser Ansicht ist auch der Grünen-Abgeordnete Özcan Mutlu. Er glaubt, dass in den Text ganz bewusst sprachliche Fehler eingebaut wurden. "Wenn jemand nicht gut Deutsch kann, macht er immer die gleichen Fehler." Im Brief sei das aber nicht der Fall. Ungewöhnlich sei auch die richtige Kommasetzung. Zudem würden echte Fundamentalisten in solchen Schreiben meist Koranverse zitieren. Auch dies sei nicht geschehen. Mutlu: "Aus meiner Sicht muss man das Schreiben nicht ernst nehmen."




