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Mission im Namen Allahs

Mission im Namen Allahs Der umstrittene Religionsunterricht der Islamischen Föderation sorgt für Sprengstoff - die ersten Eltern haben ihre Kinder bereits von der Schule abgemeldet

von Regina Köhler

Schulleiterin Marion Berning von der Rixdorfer Grundschule Neukölln ist beunruhigt. Eltern, deutsche wie türkische, haben ihre Kinder von der Schule abgemeldet, weil sie befürchteten, dass der ihrer Meinung nach sehr missionarische Unterricht der Islamischen Föderation die Atmosphäre an der Schule negativ beeinflusst. "Es waren zwar nur wenige", sagt die Schulleiterin. Grund zur Sorge habe sie dennoch: "Wir müssen diese Entwicklung in den Anfängen stoppen und den Eltern klar machen, dass wir eine ganz normale Grundschule und keine Islamschule sind."

Der Streit um Islamunterricht an den Berliner Schulen schwelt seit Jahren. Die Islamische Föderation versuchte seit 1980, das Recht auf einen eigenen Unterricht zu erstreiten. Das Land Berlin argumentierte hingegen, es handele sich eher um eine politische oder kulturelle Gruppierung, nicht aber um eine Religionsgemeinschaft im Sinne des Berliner Schulgesetzes. Das Bundesverwaltungsgericht entschied den Streit 2000 zu Gunsten der Föderation, die seit 2001 Islamunterricht anbietet. Diese Entwicklung war möglich, weil Berlin als einziges Bundesland den Religionsunterricht nicht in staatlicher Verantwortung erteilt. Zuständig sind stattdessen die Religionsgemeinschaften und Weltanschauungsverbände. Marion Berning, selbst ausgebildete Religionslehrerin, hält den Islamunterricht, wie er bisher an ihrer Schule abgehalten wurde, sowohl pädagogisch als auch inhaltlich für problematisch. "Für die fünften und sechsten Klassen liegt mir noch immer kein Rahmenplan vor, obwohl die Föderation jetzt das dritte Jahr an unserer Schule lehrt." Berning fordert einen verbindlichen Werteunterricht, der Schüler objektiv über alle Religionen informiert und von entsprechend ausgebildeten Lehrern gegeben wird.

"Leider ist dieser Unterricht auch im neuen Schulgesetzentwurf nicht verankert", kritisiert sie. Der Gesetzentwurf müsse erneut diskutiert werden. Özcan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher der Grünen, gibt zu bedenken, dass Berlin für die flächendeckende Einführung dieses Faches kein Geld habe. "Dabei ist es unbedingt nötig, dass die Kinder in einem gemeinsamen Unterricht etwas über alle Religionen erfahren", sagt er. Es könne nicht sein, dass jede Religionsgemeinschaft ihren eigenen Unterricht erteile. "Das führt zur Separation." Für begrüßenswert hält Mutlu indes, dass das neue Schulgesetz endlich Kriterien hinsichtlich der pädagogischen Ausbildung der Lehrkräfte festlegt.

Darauf wartet auch Schulleiter Lutz Redlich von der Neuköllner Elbe-Grundschule. Redlich hat ebenfalls Sorgen mit dem Unterricht der Islamischen Föderation. "Wir haben zwar kein Kommunikationsproblem", sagt er. Der Islamlehrer an seiner Schule sei jedoch unzureichend methodisch-didaktisch ausgebildet. Er unterfordere die Schüler, die sehr undiszipliniert reagierten. "Es hat bereits grobe Zerstörungen des Schulmaterials gegeben", muss Redlich eingestehen. "Wir haben uns gegen den Unterricht der Islamischen Föderation ausgesprochen", sagt Jutta Kaddatz, Schulleiterin der Schätzelberg-Grundschule und Mitglied des Integrationsausschusses der BVV Tempelhof-Schöneberg. Der Ausschuss bewerte das Konzept als zu missionarisch und die Lehrenden als zu wenig pädagogisch ausgebildet.

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