Gemeinsam gegen den Terror
22.11.2003: Gemeinsam gegen den Terror Gedenkfeier von Juden, Muslimen und Christen im Centrum Judaicum für die Opfer der Anschläge von Istanbul
Von Ayhan Bakirdögen
Mit einer gemeinsamen Trauerzeremonie haben zahlreiche Vertreter der jüdischen, muslimischen und christlichen Gemeinschaften sowie Angehörige von den Botschaften der Türkei, USA, Großbritannien und Israel gestern im Centrum Judaicum an der Oranienburger Straße der Opfer der beiden Anschlagserien in Istanbul gedacht. "Unser Mitgefühl und unsere Anteilnahme gilt allen Familien, die bei den Anschlägen Angehörige verloren haben. Sie mögen die Kraft haben, um mit diesem Schmerz weiterzuleben", sagte der Vorsitzende des Präsidiums der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Artur Süsskind. Von diesen schrecklichen Anschlägen seien alle betroffen, die für Demokratie stehen und die Freiheit schätzen. Bei insgesamt vier Anschlägen auf Synagogen und britische Einrichtungen innerhalb einer Woche in Istanbul waren mehr als 50 Menschen ums Leben gekommen, Hunderte wurden verletzt.
Der Geschäftsführer des Türkischen Bundes und stellvertretender Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, verurteilte die Anschläge aufs Schärfste und rief alle Demokraten auf, sich gegen den Terrorismus zu vereinigen. Ziel der Veranstaltung war, ein Zeichen dafür zu setzen, dass der Wille zu Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen Juden, Moslems und Christen weiterhin ungebrochen bleibt. Der bildungspolitische Sprecher der Grünen im Abgeordnetenhaus, Özcan Mutlu, warnte davor, pauschal alle Muslime als potenzielle Gefahr zu verurteilen. "Nur eine kleine Minderheit verübt diese Anschläge. Der Islam hat noch viele andere Facetten. Wir brauchen dringend einen interreligiösen Dialog", sagte Mutlu. Der Gesandte der israelischen Botschaft, Mordechay Lewy, dagegen forderte einen ehrlichen und kritischen Dialog mit den Muslimen. "Wer den Zivilisationskrieg leugnet, leistet sich einen Luxus, den er später teuer bezahlen wird", sagte er nach einer Meldung des Evangelischen Pressedienstes an die Adresse der anwesenden Ausländerbeauftragten der Bundesregierung, Marieluise Beck (Grüne). Gegenüber der Morgenpost sagte Lewy, man müsse immer wieder die westlichen Werte wie Verfassungsmäßigkeit, Demokratie, Gleichstellung zwischen Mann und Frau sowie Menschenrechte betonen.
Im Rahmen der Trauerfeier zündeten fünf jüdische und türkische Jugendliche in Gedenken an die Opfer und deren Angehörige Kerzen an. Die beiden Rabbiner Andreas Nachama und Yitzhak Ehrenberg sprachen Gebete in deutscher und hebräischer Sprache. Der allgemeine Kampf gegen Tyrannei und Verfolgung solle aus dem Tod der Opfer bei den Anschlägen Kraft schöpfen, sagte Nachama. Ehrenberg rief auch die Theologen und Geistlichen aller Religionen zur Zusammenarbeit auf, damit der Terror gegen unschuldige Menschen beendet werden kann.




