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Alle Begabungen fördern - Sofortprogramm gegen Lehrer/-innenmangel jetzt!

31.10.2005: Dr: 15/4391

Antrag der Fraktion Bündnis90/Die Grünen: Alle Begabungen fördern - Sofortprogramm gegen Lehrer/-innenmangel jetzt!

Das Abgeordnetenhaus wolle beschließen:

Der Senat wir aufgefordert, dem drohenden Lehrer/-innenmangel in Berlin mit einem Sofortprogramm zu begegnen.

Das "Sofortprogramm gegen Lehrer/-innenmangel" soll folgende Punkte beinhalten:

1. Unverzügliche Gesprächsaufnahme mit den Berliner Hochschulen mit dem Ziel, die Zahl der Studierenden mit Lehramtsoption im Bachelorbereich auf mindestens 1.300 anzuheben, sowie in den lehramtsbezogenen Masterstudiengängen 1.300 Studienplätze vorzuhalten.

2. Für die sogenannte "2. Ausbildungsphase", den Vorbereitungsdienst bzw. das Referendariat, werden unter Berücksichtigung des mittelfristigen Lehrer/-innenbedarfes angepasst an die Lehrerbedarfsprognosen ausreichend Plätze finanziert und vorgehalten.

3. Die Ausbildung von Lehrkräften ausländischer Herkunft wird gezielt gefördert. Über entsprechende Medien aber auch direkt an den Schulen wird für das Lehramtsstudium geworben.

4. Die Einstellung von Migrant/-innen in den Schuldienst wird erleichtert. Für den Fremdsprachenunterricht werden ”native Speakers” angeworben. Dazu sollen die Anerkennungskriterien angepasst werden und die betroffenen Lehrkräfte im Rahmen von Fort- und Weiterbildung zum zügigen Einsatz in der Berliner Schule befähigt werden.

5. Es werden gezielt Lehrkräfte angeworben, die in den vergangenen Jahren aufgrund des Einstellungsstopps nicht in den Berliner Schuldienst eingestellt werden konnten, die aber inzwischen berufliche Erfahrungen in anderen Bereichen erworben haben.

6. Die Schule wird geöffnet für Fachleute aus anderen Bereichen. Dazu wird den Schulen Geld statt Stellen zur Verfügung gestellt, damit sie sog. Dritte befristet in die Schulen holen können.

7. Um die Arbeitskraft der älteren, erfahrenen Lehrkräfte länger zu erhalten und die Zahl der Frühpensionierungen zu verringern, wird unverzüglich ein Programm für den Gesundheitsschutz der Lehrkräfte und insbesondere für die Prävention gegen das "Burnout- Syndrom" entwickelt. Zur Entlastung der älteren Lehrkräfte werden Teilzeitangebote attraktiver gestaltet.

Über die Umsetzung ist dem Abgeordnetenhaus von Berlin bis zum 31.03.2006 zu berichten.

Begründung: In den kommenden Jahren zeichnet sich in ganz Deutschland ein zunehmender Lehrer/-innenmangel ab. Bis zum Jahre 2015 werden bundesweit etwa 80.000 Lehrkräfte fehlen. Der sich bundesweit abzeichnende Mangel an Lehrer/-innen macht sich in Berlin bereits heute bemerkbar. Schon heute können an vielen Schulformen, insbesondere den Sonderschulen und den Berufsschulen und für einige Fächer, insbesondere für einige Naturwissenschaften, Sprachen und für Musik, nicht mehr alle Stellen besetzt werden.

Diese Entwicklung wurde in Berlin durch politische Fehlentscheidungen und Einstellungsstopps verstärkt und führte auch dazu, dass immer mehr Abiturient/- innen von der Aufnahme eines Lehramtsstudiums abgeschreckt wurden. Da aufgrund des hohen Durchschnittsalters der Lehrkräfte die Pensionierungszahlen weiter ansteigen werden, wird sich das Problem in den kommenden Jahren weiter verschärfen. Hinzu kommt, dass in den kommenden Jahren die Zahl der Pensionierungen, die Zahl der Absolvent/-innen der Lehramtsausbildung deutlich überschreiten wird. Berlin konkurriert mit allen anderen Bundesländern um den Pädagogennachwuchs und hat aufgrund des hohen Haushaltsdefizits schlechtere Karten gegenüber allen anderen Bundesländern. Zum Beispiel werden Lehrer in Berlin im Gegensatz zu anderen Bundesländern nicht mehr verbeamtet, neu angestellte Kräfte müssen zudem auf Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichten.

Zu 1.: Die Senatsverwaltung für Schule berichtet in ihrer Lehrerbedarfsplanung, dass in Berlin in absehbarer Zeit ein Lehrerbedarf von durchschnittlich 1.000 Neueinstellungen pro Jahr vorhanden sein wird. Dennoch hält der Senat aber offenbar ein weit unter dieser Zahl liegendes Gesamtangebot von Lehramtsstudienplätzen in den Berliner Hochschulen für ausreichend. Schließlich hat sich der Senator für Wissenschaft im Rahmen der Hochschulverträge für die Jahre 2006-2009 bereits auf eine Maximalkapazität von 850 Lehramtsstudienplätzen festgelegt.

Zu 2: Die Lehramtsausbildung ist mit dem Master bzw. dem 1. Staatsexamen oder seinem Äquivalent nicht abgeschlossen. Um einen für den Beruf des Lehrers bzw. der Lehrerin qualifizierenden Abschluss zu erhalten, muss auch das Referendariat durchlaufen werden. In Berlin mangelt es seit Jahren an Referendariatsplätzen, mit dem Erfolg, dass von den bereits zu wenigen Absolvent/-innen insbesondere diejenigen die Stadt verlassen, denen ein schneller Einstieg in den Beruf des Lehrers/der Lehrerin ein wichtiges Anliegen ist. Berlin kann es sich nicht leisten, gerade diese motivierten Studienabsolvent/-innen zu verlieren, genauso wie Berlin es sich nicht leisten kann, Jahr über Jahr ein kapazitäres Nadelöhr namens Referendariat enger und immer enger zu machen. Ausreichend Referendariatsplätze müssen geschaffen werden, wobei sich ‚ausreichend’ vor allem auf den Bedarf an zukünftigen Lehrern/-innen bezieht, aber auch auf die Nachfrage durch Absolventen/- innen der Lehramtsstudiengänge. In diesem Zusammenhang sind die Planungen des Senats, die Zahl der Referendariatsplätze zu reduzieren, in höchstem Maße kontraproduktiv.

Zu 3.: Bislang gibt es kaum Lehrkräfte aus eingewanderten Familien, obwohl sie für die interkulturelle Erziehung und für die Arbeit an den Schulen ein großer Gewinn wären. Migrant/-innen sollen gezielt für ein Lehramtsstudium angeworben werden.

Zu 4.: Die wachsende Bedeutung der Fremdsprachen in Europa wird in den nächsten Jahren zu vermehrtem bilingualen Unterricht an allen Schularten führen. Für den Fremdsprachenunterricht an allen Schularten sollen ”native Speakers” angeworben werden.

Zu 5.: In den vergangenen Jahrzehnten sind Tausende von Studierenden für das Lehramt ausgebildet, aber anschließend nicht in den Schuldienst eingestellt worden. Sie haben inzwischen berufliche Erfahrungen in anderen pädagogischen Aufgabenfeldern oder in der Wirtschaft erworben. Wenn diese Lehrer/-innen heute für den Schuldienst angeworben werden, können ihre Zusatzqualifikationen und ihre beruflichen Erfahrungen den Schulen zu Gute kommen

Zu 6.: Die Arbeit der Schule soll durch den Einsatz von sog. Dritten bereichert werden. Durch die Möglichkeit ”Geld statt Stellen” soll den Schulen die Einbeziehung von befristet beschäftigten Dritten ermöglicht werden.

Zu 7.: Der akute Lehrer/-innenmangel ist auch auf den starken Anstieg der Frühpensionierungen zurückzuführen. Der drohende Lehrer/-innenmangel ist nicht allein dadurch zu bewältigen, dass möglichst schnell neue Kräfte in die Schulen geholt werden, sondern es müssen auch die älteren, erfahrenen Lehrkräfte gehalten werden. Hierfür sollen die älteren Lehrkräfte gezielt entlastet werden. Es sind dringlich Programme zum Gesundheitsschutz zu entwickeln. Ein Schwerpunkt muss bei der Prävention gegen das "Burn-out-Syndrom" liegen, das in besonderem Maße zur hohen Frühpensionierungsquote bei Lehrkräften beiträgt.

Berlin, den 31. Oktober 2005 Dr. Klotz, Ratzmann, Mutlu, Jantzen, Paus und die übrigen Mitglieder der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen

Den Antrag können Sie nachfolgend herunterladen.

Zugehörige Dateien:
d15-4391.pdfDownload (30 kb)
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