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Bei Ganztagsangeboten Spitze

27.03.2009: Berliner Morgenpost

Von Regina Köhler

Berlin und Brandenburg haben gestern einen ersten gemeinsamen Bildungsbericht vorgelegt. Das umfassende Material wurde vom Amt für Statistik und vom Institut für Schulqualität erstellt. Demnach liegen beide Länder bundesweit ganz vorn, was die Ganztagsbildung betrifft. 2007 war an insgesamt 80 Prozent der Schulen Berlins und 44 Prozent der Schulen Brandenburgs ein Ganztagsangebot verfügbar. In Berlin bieten seit 2005 überdies alle Grundschulen bis zur vierten Jahrgangsstufe eine Ganztagsbetreuung an. Deutschlandweit liegt der Anteil der Ganztagsangebote bei rund 34 Prozent.

Auch die Quote der Abiturienten ist in Berlin und Brandenburg höher als im Bundesdurchschnitt. Jeweils rund 31 Prozent der Schulentlassenen erwarben in Berlin und Brandenburg die Allgemeine Hochschulreife. Das sind rund fünf Prozent mehr als im Bundesdurchschnitt. Als besonders problematisch stuft der Bildungsbericht die Benachteiligung der Schüler mit Migrationshintergrund auf fast allen Stufen des Bildungssystems in Berlin sowie die steigende Zahl von Kindern ein, die unter Risikobedingungen (in ökonomischer oder sozialer Armut, in bildungsfernen Familien) aufwachsen müssen. In Berlin sind 35 Prozent der Kinder unter 18 Jahren von mindestens einem der genannten Risikofaktoren betroffen, in Brandenburg sind es rund 32 Prozent. Beide Länder liegen damit leicht über der bundesdeutschen Quote von 31 Prozent, wobei die Tendenz anders als deutschlandweit in beiden Ländern steigend ist.

Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) begrüßte die umfassende Materialsammlung: "Der Bericht zeigt als eine fundierte Bestandsaufnahme, wo Chancen und Herausforderungen für den Bildungsbereich liegen. Die dargelegten Zahlen sind deutlich und unbestechlich, mutmachend wie schonungslos zugleich." Was die Ganztagsangebote sowie die hohe Zahl von Abiturienten und Studenten betreffe, sei Berlin Motor der Bildungsrepublik Deutschland und der Zeit bereits ein gutes Stück voraus, betonte der Senator.

Der Bildungsbericht weist noch einmal deutlich auf ein bereits bekanntes Problem hin - die wesentlich schlechteren Ausbildungsbedingungen für Kinder mit Migrationshintergrund. In der Hauptstadt stellt sich diese Problemlage in einigen Bezirken als besonders dramatisch dar. So leben die meisten Menschen mit Migrationshintergrund in Mitte mit 44,4 Prozent, gefolgt von Neukölln mit 38,6 Prozent und Friedrichshain-Kreuzberg mit 36,6 Prozent. Dementsprechend liegt der Anteil der Schüler nicht deutscher Herkunftssprache an den Grundschülern in den genannten drei Bezirken zwischen 29 und 36 Prozent. An den Hauptschulen dieser drei Bezirke lernen sogar 46 Prozent und mehr Schüler mit Migrationshintergrund. Einige Grund- und Hauptschulen haben bereits über 90 Prozent an Schülern nicht deutscher Herkunftssprache. In den Kindertagesstätten hingegen ist der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund (30 Prozent) eher unterrepräsentiert.

Die Ballung von Schülern mit Migrationshintergrund führt in den genannten Bezirken zu einer deutlichen Verschärfung der Probleme. So wurde laut Bildungsbericht im Schuljahr 2007/08 mehr als 40 Prozent der Grundschüler am Ende des 6. Schuljahres der Wechsel zum Gymnasium empfohlen. Von den Schülern nicht deutscher Herkunft bekamen indes nur 27 Prozent die Gymnasialempfehlung. 2007 verließen überdies 20 Prozent der ausländischen Schüler die Schule ohne jeden Abschluss, während es in der Gruppe der deutschen Schüler lediglich 8 Prozent waren.

Özcan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher der Grünen, forderte eine Bildungsoffensive für Kinder mit Migrationshintergrund. "Die Probleme sind seit Jahren bekannt, jetzt müssen endlich Taten folgen", sagte er. Die bisherigen Sprachfördermaßnahmen wie Deutsch als Zweitsprache (DAZ) müssten dringend evaluiert werden. Außerdem sei die Lehrerbildung deutlich zu verbessern. "Die Universitäten müssen endlich Lehrstühle für Sprachförderung und DAZ einrichten", so Mutlu. Bildungssenator Zöllner verwies in diesem Zusammenhang auf die geplante Schulstrukturreform, die die Einrichtung von flächendeckenden Ganztagsschulen vorsieht. Problembezirke wie Mitte, Neukölln oder Friedrichshain-Kreuzberg seien überdies mit zusätzlichen Lehrerstellen ausgestattet.

www.morgenpost.de/printarchiv/berlin/article1062599/Bei_Ganztagsangeboten_Spitze.html

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