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Ausbildungsbeteiligung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund

05.01.2006: Dr: 15/13064

Kleine Anfrage des Abgeordneten Özcan Mutlu (Bündnis 90/Die Grünen) vom 09. Dezember 2005 (Eingang beim Abgeordnetenhaus am 09. Dezember 2005) und Antwort: Ausbildungsbeteiligung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund

Im Namen des Senats von Berlin beantworte ich Ihre Kleine Anfrage wie folgt:

Das statistisch nicht definierte Merkmal "Migrationshintergrund" wird in den angesprochenen Beschäftigungsbereichen und Dienststellen datenmäßig nicht erfasst. Die Beantwortung konnte daher nur Bezug nehmen auf Fallzahlverknüpfungen zu Personen, die zum Zeitpunkt der erfragten Merkmalsabgriffe nicht über die deutsche Staatsangehörigkeit verfügten.

1. Hat der Senat Erkenntnisse darüber, wie viele Jugendliche mit Migrationshintergrund die Berliner Schule in den letzten 5 Schuljahren mit einem Schulabschluss verlassen und wie viele dieser eine Ausbildung begonnen haben? (sortiert nach Schuljahren und Art der Abschlüsse)

Zu 1.: Die Informationen über die Schulabgängerinnen und Schulabgänger können den Anlagen 2a und 2b entnommen werden. Die Differenzierung zwischen ausländischen Schülerinnen und Schülern und Schülerinnen und Schülern nichtdeutscher Herkunft wird erst seit 2003 vorgenommen. Daher können die Anteile der Jugendlichen mit Migrationshintergrund bei den Abschlussjahrgängen der letzten fünf Jahre nur unter der Bezeichnung "ausländische Schulabgängerinnen und Schulabgänger" wiedergegeben werden.

Informationen über die Zahl der Auszubildenden an den Berliner Berufsschulen insgesamt und im ersten Schuljahr, darunter über die Zahl der ausländischen Schülerinnen und Schüler enthalten die Anlagen 1a und 1b.

In diesem Zusammenhang wird auch auf die Antwort zur Kleinen Anfrage Nr.15/ 13059 verwiesen, der weitere Angaben zu Schulabgängerinnen und Schulabgängern zu entnehmen sind.

2. Wie viele junge Menschen mit Migrationshintergrund haben die Schule in den letzten 5 Schuljahren mit Abitur verlassen und sich für ein Studium eingeschrieben?

Zu 2.: Hierzu wird auf die statistischen Zeitreihen in den Anlagen 2a und 2b verwiesen. Angaben zum Studienbeginn Berliner Absolventinnen und Absolventen in Berlin oder anderen Hochschulstandorten liegen nicht vor.

3. Wie viele Jugendliche mit Migrationshintergrund, die einen Ausbildungsplatz suchen, waren seit dem Jahr 2000 bei den Arbeitsämtern bzw. jetzt Arbeitsagenturen erfasst?

4. Wie viele sog. "Bildungsscheine" wurden im Jahr 2005 insgesamt erteilt und wie hoch war der Anteil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die "Bildungsgutscheine" erhalten haben?

Zu 3. und 4.: Zu den Fragen 3. und 4. hat die Regionaldirektion Berlin-Brandenburg die nachfolgenden Informationen übermittelt: (Tabelle siehe Anhang)

Wie viele Bildungsgutscheine erteilt wurden, wird statistisch nicht erfasst.

Seit Jahresbeginn wurden insgesamt 11.162 Eintritte in Maßnahmen zur Förderung der beruflichen Weiterbildung registriert. Kriterien wie Staatsbürgerschaft, Alter oder Migrationshintergrund werden dabei nicht ermittelt.

5. Wie viele Ausbildungsverträge sind im Ausbildungsjahr 2004 und 2005 von der Industrie und vom Handwerk insgesamt abgeschlossen worden und wie hoch war dabei der Anteil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund? (sortiert nach Branchen und Ausbildungsberufen)

Zu 5.: Im Jahre 2004 wurden im Bereich der Industrie- und Handelskammer zu Berlin 12.038 und im Bereich der Handwerkskammer 6.015 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Die Zahl der Ausbildungsverträge mit ausländischen Jugendlichen wird für neu abgeschlossene Verträge statistisch nicht erfasst. Dieses Merkmal wird lediglich für den Gesamtbestand an Ausbildungsverhältnissen ausgewiesen. Danach waren von den im Jahr 2004 im Bereich der Industrie- und Handelskammer zu Berlin insgesamt registrierten 31.229 Ausbildungsverträgen 1.239 mit ausländischen Jugendlichen abgeschlossen worden. Im Bereich der Handwerkskammer bestanden zu diesem Zeitpunkt insgesamt 16.487 Ausbildungsverhältnisse, davon 890 mit ausländischen Jugendlichen.

Die Ausbildungsstatistik des Statistischen Landesamtes sieht eine Aufbereitung der Angaben zu den Ausbildungsverhältnissen differenziert nach Branchen nicht vor. Die Untergliederung erfolgt nach zuständigen Stellen im Sinne des Berufsbildungsgesetzes. Eine Übersicht über die Anzahl aller Ausbildungsverträge mit ausländischen Jugendlichen, untergliedert nach zuständigen Stellen und nach Berufen, kann der Anlage 3 entnommen werden. Daten für das Jahr 2005 liegen noch nicht vor.

6. Wie viele Ausbildungsverträge sind im Ausbildungsjahr 2004 und 2005 im öffentlichen Dienst insgesamt abgeschlossen worden und wie hoch war dabei der Anteil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund? (sortiert nach Branchen und Ausbildungsberufen) Zu 6.: Die Zahl der im öffentlichen Dienst des Landes Berlin in den Jahren 2004 und 2005 insgesamt neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge für Ausbildungen nach dem Berufsbildungsgesetz sind den Anlagen 4 und 5 zu entnehmen.

Weitere Untergliederungen der im Landesdienst mit Personen ausländischer Nationalität neu begründeten Ausbildungsverhältnisse in dualen Ausbildungsberufen liegen nicht vor.

7. Wie schätzt der Senat die Ausbildungslage der Jugendlichen mit Migrationshintergrund ein und mit welchen konkreten Maßnahmen will der Senat den andauernden negativen Trend stoppen und die Ausbildungslage der Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Berlin verbessern?

Zu 7.: Die Ausbildungsbeteiligung von ausländischen Jugendlichen ist in den Jahren von 2000 bis 2005 zurückgegangen. Gemessen an dem Anteil ausländischer Jugendlicher an allen Schulabgängerinnen und Schulabgängern (12,2 % im Jahr 2000 und 13,4 % im Jahr 2004) zeigt die Entwicklung des Anteils der ausländischen Jugendlichen an den gemeldeten Ausbildungsplatzbewerberinnen und -bewerbern (9,7 % im Jahr 2000 und 9 % im Jahr 2004), dass ausländische Jugendliche bereits unter den Bewerberinnen und Bewerbern um eine Ausbildungsstelle unterrepräsentiert sind. Im gleichen Zeitraum ist auch der Anteil der ausländischen Auszubildenden in Berufen nach dem Berufsbildungsgesetz von 5,2 % auf 4,5 % zurückgegangen.

Neben noch immer bestehenden Sprachdefiziten ist für diese Entwicklung eine wesentliche Ursache, dass ausländische Jugendliche überproportional häufig die allgemeinbildende Schule ohne Abschluss bzw. nur mit dem einfachen Hauptschulabschluss verlassen. Mit dem Schulabschluss fehlen jedoch elementare Voraussetzungen für die Aufnahme einer Berufsausbildung. Auch der einfache Hauptschulabschluss eröffnet in der Regel nur geringe Chancen für eine betriebliche Ausbildung. Rd. 26 % aller Schulabgängerinnen und Schulabgänger, die 2004 die allgemeinbildende Schule ohne bzw. mit nur einfachem Hauptschulabschluss, d.h. ohne eine für die betriebliche Ausbildung ausreichende schulische Vorbildung verlassen haben, sind ausländische Jugendliche. Das ist fast ein Drittel (32,3 %) aller ausländischen Schulabgängerinnen und Schulabgänger. Hingegen sind ausländische Jugendliche bei den Schulabgängerinnen und Schulabgängern mit Realschulabschluss, insbesondere mit Hochschulreife unterrepräsentiert. Vor dem Hintergrund eines stärker gewordenen Verdrängungswettbewerbs auf dem Ausbildungsstellenmarkt ist dies ein schwer wiegender Nachteil. Hier setzt der Senat an, um die Berufsausbildung von ausländischen Jugendlichen nachhaltig zu fördern.

• Der Integrationsbeauftragte betreut und steuert das Berufliche Qualifizierungsnetzwerk für Migrantinnen und Migranten (BQN Berlin). BQN ist ein Modellprogramm, das in Berlin und an neun weiteren Standorten innovative Verfahren zum Übergang von der Schule in die Ausbildung entwickelt. Das Modellprogramm BQN wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung finanziert und durch das Bundesinstitut für Berufliche Bildung (BIBB) koordiniert.

• Ab dem Jahr 2006 werden für ca. 1.500 Jugendliche mit Migrationshintergrund zielgerichtet berufsorientierende Maßnahmen mit intensiver Sprachförderung durchgeführt. Hierfür sind im Haushalt 2006/07 Landesmittel in Höhe von 1,054 Mio. € und ESF-Mittel in Höhe von 0,828 Mio. € etatisiert. Erfolgreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser Maßnahmen erhalten anschließend die Chance, z. B. in eine Ausbildung im Rahmen der Bund-Länder-Sonderprogramme integriert zu werden, wenn eine Einmündung in eine betriebliche Berufsausbildung nicht gelingt.

• Der Senat unterstützt auch weiterhin die Entwicklung und Vermittlung zertifizierbarer Qualifizierungsbausteine in der Berufsvorbereitung und -ausbildung als für Jugendliche mit Migrationshintergrund besonders geeignete Form, die volle Berufsfähigkeit ggf. auch in Teilschritten zu erlangen bzw. arbeitsmarktverwertbare Qualifikationen zu erwerben.

• Durch breit angelegte Öffentlichkeitskampagnen, Ausbildungsinitiativen und Fachtagungen in Zusammenarbeit mit den Kammern, Agenturen für Arbeit, Unternehmensverbänden und Immigrantenvereinigungen werden gezielt Unternehmen mit ausländischen Betriebsinhaberinnen und Betriebsinhabern angesprochen, sich an der Berufsausbildung zu beteiligen.

Ein weiteres Potenzial für zusätzliche Ausbildungsplätze soll durch die von der Senatsverwaltung geförderten Informationsveranstaltungen für ausländische Existenzgründerinnen und Existenzgründer erschlossen werden. In diesem Zusammenhang wird auf die Antwort zur Kleinen Anfrage Nr. 15/12752 vom 17. Oktober 2005 verwiesen. Die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen wird überdies in Kooperation mit dem Beauftragten des Senats für Integration und Migration und dem Türkischen Bund Berlin-Brandenburg im Februar 2006 eine Veranstaltung "Integration von jungen Frauen und Männern mit Migrationshintergrund in Ausbildung und Beschäftigung" mit allen Fachakteuren durchführen.

• Im Rahmen des aktuellen Besetzungsverfahrens für die 200 Ausbildungsplätze in der öffentlichen Verwaltung werden derzeit über Migrantenverbände Jugendliche mit Migrationshintergrund gezielt angesprochen, um sie anzuregen, Ausbildungschancen auch in diesem Bereich wahrzunehmen.

Berlin, den 05. Januar 2006 In Vertretung Volkmar S t r a u c h …………………………………… Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen (Eingang beim Abgeordnetenhaus am 11. Januar 2006)

Die Kleine Anfrage kann nebst Tabellen nachfolgend heruntergeladen werden.

Zugehörige Dateien:
ka15-13064.pdfDownload (1094 kb)
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