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Ausbildung für alle (3) UnternehmerInnen nichtdeutscher Herkunft für Ausbildung gewinnen!

31.03.2003: Dr.15/1535

Das Abgeordnetenhaus wolle beschließen:

Das große Potenzial von Betrieben mit InhaberInnen nichtdeutscher Herkunft in Berlin soll für den Ausbildungsmarkt erschlossen werden, um zusätzliche Ausbildungsplätze für deutsche und nichtdeutsche Jugendliche zu gewinnen. Der Senat wird aufgefordert, bereits bestehende Maßnahmen zu koordinieren, erforderliche Beratungsinstrumente zu entwickeln und in einer Initiative zu bündeln. Schwerpunkte der Initiative sollen sein:

  • Gewinnung von ausländischen Betrieben zur Ausbildung durch persönliche Ansprache
  • Information, Beratung und Unterstützung der Betriebe
  • Eine kontinuierliche Unterstützung der auszubildenden Betriebe
  • Informationen und Hilfestellung zum Thema "Qualifizierung von Ausbildern"
  • Kontaktaufnahme zu Ämtern, Kammern, anderen ausbildenden ausländischen Betrieben, ggf. Bildung eines Ausbildungsverbundes.

Der Senat arbeitet bei der Umsetzung des Programms mit den Kammern und den unterschiedlichen MigrantInnenverbänden zusammen.

Dem Abgeordnetenhaus ist bis zum 31.08.2003 zu berichten.

Begründung: Die Anzahl arbeitsloser Jugendlicher in Berlin ist mit 38 000 erschreckend hoch, die Ausbildungssituation ist dramatisch. Es fehlen Ausbildungsplätze in Betrieben, in der Verwaltung und in der außerbetrieblichen Ausbildung. Die nachhaltige Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit ist ein geschäftspolitischer Schwerpunkt und als Daueraufgabe zu verstehen. Jugendarbeitslosigkeit darf nicht zum akzeptierten Dauerzustand werden.

Berlin ist die Hauptstadt der ethnischen Ökonomie, allein die 4 500 türkischen Mitgliedsfirmen bei der IHK haben rund 15 000 Beschäftigte. Migranten und Migrantinnen sind aktive ExistenzgründerInnen, die Zahl der Selbstständigen nichtdeutscher Herkunft hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Trotz dieser positiven Zahlen besteht in Berlin ein nicht genutztes Ausbildungsstellenpotenzial bei Betrieben mit nichtdeutschen InhaberInnen. Die Ausbildungsbeteiligung von Migranten und Migrantinnen ist noch sehr gering. Die Gründe hierfür sind vielfältig: mangelnde Informationen über Bedingungen und Anforderungen der beruflichen Ausbildung, vor allem, wenn sie selbst nicht das deutsche Bildungssystem durchlaufen haben. Es fehlen finanzielle Mittel und das Wissen über Fördermöglichkeiten, ebenso wie die formalen Qualifikationen (Ausbildereignung). Ausbildung wird oftmals nicht als Teil des eigenen unternehmerischen Handelns gesehen. Die deutsche Behördensprache und die Angst vor bürokratischen Hürden tragen auch zur Zurückhaltung bei. Die Erfahrung in anderen Städten, die erfolgreiche Programme aufgelegt haben, zeigt, dass die persönliche Ansprache der Betriebe durch Akquisiteure, die infolge ihrer sprachlichen, kulturellen und integrativen Erfahrungshintergründe leichter mit den Unternehmern in Kontakt kommen, sich bewährt haben. Ebenso ist eine langfristige Unterstützung über den Abschluss des Ausbildungsvertrages hinaus sehr wichtig. Für die Betriebe hat die Ausbildung viele positive Auswirkungen: Sie erhalten vielfältige Informationen, Kontakte, Anregungen und Unterstützungen, die für das Unternehmen allgemein von Wichtigkeit sind. Durch die Auszubildenden können sie auf zusätzliche Arbeitskräfte zurückgreifen und können ihre(n) künftige(n) MitarbeiterIn selbst anleiten, nach ihrer Kultur, ihrem Stil prägen und wissen beizeiten, worauf sie sich einlassen. Die Möglichkeit, ausbilden zu können und der Erwerb der entsprechenden Fähigkeiten ist ein bedeutender Integrationsfaktor für die Unternehmen. Es erfüllt sie mit Stolz, ein Ausbildungsbetrieb zu sein in der Stadt, in der sie zuhause sind. Mit der Ausbildung Jugendlicher erfüllen sie eine wichtige gesellschaftspolitische Funktion - viele von ihnen empfinden das als sehr wichtig.

Berlin, den 31. März 2003 Dr. Klotz, Ratzmann, Pop, Mutlu und die übrigen Mitglieder der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen

Zugehörige Dateien:
d151535.pdfDownload (106 kb)
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