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Nur Renate Künast muss nicht kämpfen

05.11.2008: Tagesspiegel

Die Berliner Grünen gehen mit der bisherigen Fraktionschefin im Bundestag, Renate Künast, als Spitzenkandidatin in den Wahlkampf. Dagegen wird auf der Mitgliederversammlung am Sonntag ein Kampf um die aussichtreichen Plätze zwei und drei toben.

Auf der Mitgliederversammlung am Sonntag kandidiert Künast ohne Gegenkandidatin auf dem Listenplatz eins. Dagegen sind die aussichtreichen Plätze zwei und drei bei den Grünen umkämpft. Überraschend hat sich der Bildungspolitiker Özcan Mutlu dazu entschieden, gegen das Grünen-Urgestein und Innenexperten Wolfgang Wieland anzutreten. Um Platz drei kämpfen die Wirtschaftspolitikerin Lisa Paus und Kulturexpertin Alice Ströver.

"Die Zeichen stehen auf Kandidatur", sagte Mutlu gestern in Bowling Green, Ohio, wo er derzeit an einer Tagung teilnimmt. Bislang galt Wolfgang Wieland als gesetzt für den zweiten Platz. Bislang habe er es nicht geschafft, Wieland persönlich über seine Pläne zu unterrichten, sagte Mutlu. Das werde er allerdings unmittelbar nach seiner Rückkehr aus den USA nachholen. Wieland befand sich in der vergangenen Woche mit dem Innenausschuss des Bundestages in China, als Mutlu seine Kandidatur ankündigte. Wolfgang Wieland nahm die Gegenkandidatur Mutlus äußerlich gelassen hin. "Es ist sein gutes Recht, die Mehrheit wird entscheiden", sagte Wieland gestern. "Ich bin nicht in Schockstarre verfallen." Allerdings hätte er sich gewünscht, dass Mutlu ihn von seiner geplanten Kandidatur in Kenntnis setzt. So habe morgens um vier Uhr in China sein Handy gepiepst, als ihn Weggefährten von der überraschenden Kandidatur Mutlus informierten. Mutlu hatte sich zusammen mit der designierten Spitzenkandidatin Renate Künast und den Kontrahentinnen um Listenplatz drei, Alice Ströver und Lisa Paus im Schöneberger Rathaus der Parteibasis zum letzten Mal vor der Listenaufstellung gestellt. Mutlu nimmt für sich in Anspruch, in den vergangenen acht Jahren erfolgreich in der Bildungspolitik tätig gewesen zu sein. Nachdem Cem Özdemir als designierter Parteivorstand nicht für den Bundestag kandidiert, brauche die Partei "ein authentisches Gesicht aus der Lokalpolitik", sagte Mutlu. "Ich kandidiere nicht gegen Wolfgang Wieland, sondern für Platz zwei." Die Partei begrüßt die anstehenden Kampfabstimmungen. "Die Tatsache, dass mehrere Hochkaräter um ein Mandat kämpfen, zeigt, wie gut die Grünen personell aufgestellt sind", sagte die Berliner Landeschefin Irma Franke-Dressler gestern. Eine Prognose über den Ausgang der Mitgliederversammlung wollte die Landeschefin nicht abgeben. "Wir werden uns damit abfinden, was die Weisheit der Mitglieder beschließt." Alle rund 4000 Berliner Grünen-Mitglieder sind am Sonntag aufgerufen, über die Liste zur Bundestagswahl abzustimmen. Um beschlussfähig zu sein, müssen rund 600 Mitglieder anwesend sein. Grüne gegen Vattenfall Einstimmigkeit erwartet die Partei dagegen bei der Verabschiedung des Leitantrages zur Energiepolitik. Darin wendet sich die Partei entschieden gegen den Bau neuer Kohlekraftwerke. "Berlin würde die selbst gesteckten Klimaschutzziele verfehlen, wenn das von Vattenfall geplante Kohlekraftwerk genehmigt würde", sagte Franke-Dressler. Die Partei ruft die Berliner auf, Vattenfall als Stromanbieter zu verlassen.

www.morgenpost.de/berlin/article971439/Nur_Renate_Kuenast_muss_nicht_kaempfen.html

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