Zweisprachige Erziehung ist nicht gescheitert!
Entgegen der Behauptungen mancher selbsternannter Fachleute ist die in vielen Berliner Kitas und Schulen praktizierte zweisprachige Erziehung nicht zum Scheitern verurteilt. Bestes Gegenbeispiel ist der Erfolg der Europaschulen: Die Deutsch-Türkische Europaschule in Kreuzberg kann den Andrang gerade seitens deutscher Eltern kaum bewältigen.
Voraussetzung für den Erfolg zweisprachiger Erziehung ist jedoch die Unterstützung seitens der Verwaltung, sowie die Bereitstellung entsprechender Mittel. Die zweisprachige Erziehung, wie sie in den 80er Jahren in Kreuzberg begann, ist jedoch seit jeher nur das Stiefkind der Berliner Schulverwaltung. Dem als Schulversuch an der Kreuzberger Nürtingen Grundschule begonnenen Projekt wurden stets Knüppel zwischen die Beine geworfen. Jahr für Jahr mussten Eltern und LehrerInnen um das Überleben des Projekts kämpfen. Insbesondere seit 1995 wurden die Mittel für die zweisprachige Erziehung massiv gekürzt. Der durch einige engagierte LehrerInnen ins Leben gerufene, reformpädagogische Ansatz wurde von den Schulbehörden stets konterkariert. Zweisprachige Erziehung kann erfolgreich sein. Das zeigen die Bildungsbiografien zahlreicher Absolventen der zweisprachigen Erziehung. Viele von ihnen studieren oder haben Berufsausbildungen absolviert, wie Erhebungen des türkischen Elternvereins, einem Vorkämpfer der zweisprachigen Erziehung, zeigen.
Es ist darum unverantwortlich, das Modell der zweisprachigen Erziehung als gescheitert zu erklären, ohne ihm eine reale Chance gegeben zu haben. Die Bildungspolitiker sollten sich vielmehr fragen, warum in der Lehrerbildung Einwanderung nach wie vor kein Thema ist, warum sich in Sachbüchern die multikulturelle Realität der Metropolen nicht widerspiegelt und warum die Rahmenpläne die kulturelle Vielfalt der Gesellschaft außer acht lassen. Bildungspolitik ist auch Integrationspolitik. Die Verhinderung von Ansätzen wie der zweisprachigen Erziehung ist der falsche Weg!




